Samstag, 15. Februar 2014

Trotzexistentialismus



Meine Mama feiert heute ihren 72. Geburtstag. Dieser Beitrag ist wieder ein Geschenk für Sie, wie der Blog. Sie häkelt schaffensfreudig und unermüdlich  weiter. Auf den Bildern kann man ein neues Stück von ihr sehen. Aber ich möchte was anderes hier erzählen.
Mama hat diese Stücke gehäkelt, eine Tante von mir hat die Teile zusammengenäht. Auf dem Foto ist meine Nichte, diese Enkeltochter hat meine Mutter großgezogen

Ich lese jetzt ein Buch von Peter Sloterdijk. „Du mußt dein Leben ändern“. Gestern habe ich ein Kapitel über „Trotzexistentialismus“ oder „Krüppelexistentialismus“ gelesen. Und da habe ich das Leben, das Streben von meiner Mutter in einem neuen Licht gesehen. Ich habe verstanden, wie sie lebt, warum sie so viel erreicht hat, und warum sie immer neue Ziele vor sich selber stellt, neue Aufgaben findet. Sie lebt immer „trotzdem“.

Als sie fünf Jahre alt war, hatte sie einen Unfall: Der Wirbelsäulenbruch. Sieben Jahre hat Mama in Krankenhäusern verbracht, fünf von denen in einem Gipsbett. Als sie wieder zur Familie zurückgekehrt, hat sie versucht so normal wie möglich zu leben, so normal wie die andere gesunde Menschen. Sie hat ihr Korsett weggeworfen, Sport gemacht, sich viel bewegt. Danach hat sie studiert, sie hat Kinder bekommen – trotz ihres Rückentraumas, trotz allen Medizinern, die ihr es verbieten wollten.


Als meine Eltern vor zwei Jahren hier in Deutschland in Bad Neuenahr eine Kur gemacht haben, waren sie bei einem Arzt. Er hat die Röntgenbilder angeschaut und war sehr gewundert, wie meine Mutter sich noch so aktiv bewegt. Er war gewöhnt  die Menschen mit solchen Leiden, mit solchen Wirbelsäulenverletzungen in einem Rollstuhl zu sehen.
Jetzt weiß ich, wie man leben muss. Jetzt verstehe ich besser diese Forderung,  der Imperativ: „Du mußt dein Leben ändern!“
 
Die Nichte ist auch ein Beispiel "Trotzexistentialismus". Sie hat Herzfehler, aber studiert Psychologie an der Uni. Sie macht sehr schönes Schmuck aus Glasperlen.
Ich werde mein Leben ändern. Ich habe ein Vorbild vor mir – meine Mutter.


Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen